Das Undarstellbare:
Ein Ziel, spätestens seit dem 20. Jahrhundert 
Meine Inspiration schöpfe ich oft aus der Filmkunst. Großen Einfluss auf mich hatten die expressionistischen Filmemacher Fritz Lang, Paul Wegener und Friedrich Wilhelm Murnau, in deren Werken Licht und Dunkelheit dramatisch aufeinanderprallen. David Lynch überschreitet die Grenzen der Realität – das Undarstellbare wird bei ihm zu einem wesentlichen Element des Films. Terrence Malick erforscht die Grenzen des menschlichen Verstehens und stellt die tieferen Fragen des Seins ebenso wie die Gefahren der menschlichen Zivilisation. Und in Andrei Tarkowskis Stalker ist die Leere selbst das eigentliche Ziel des Films.
Das Undarstellbare darzustellen, ist eine Forderung, die die Kunst seit dem 20. Jahrhundert nachdrücklich begleitet. Nach Sabine Sander fordert Jean-François Lyotard eine Kunst, die das unmittelbare Ergriffenwerden durch die Dinge erlebbar macht – die dem Menschen zeigt, dass er etwas erlebt, ohne zu wissen, was er erlebt.¹ Auch Theodor W. Adorno betont die Möglichkeit der Kunst, das Undarstellbare darzustellen, gerade im Gegensatz zur begrifflich-diskursiven Erkenntnis – weist zugleich aber auf die Ausschlüsse hin, die jede sinnliche Vergegenwärtigung durch Kunst unweigerlich mit sich bringt.²
„Was sich entzieht, kann sogar den Menschen wesentlicher angehen und in den Anspruch nehmen als alles Anwesende, das ihn trifft und betrifft“, schreibt der Philosoph Martin Heidegger.³
Der Philosoph und Medienwissenschaftler Ralf Beuthan spricht von einer „Entzugsstruktur“ – einem Außen, das sich nicht in ein Innen übersetzen lässt. Er beschreibt ein reines Sehen: ein Sehen, das durch die „unerträgliche Leere“ hellsichtig geworden ist, ein denkendes Sehen, ein „Sehen des Undenkbaren“.⁴
Gerade im Hinblick auf die Krisen der Moderne misst Jean-François Lyotard 1985 der Frage des Undarstellbaren allergrößte Bedeutung bei. Für ihn ist sie „die einzige Frage, die im kommenden Jahrhundert den Einsatz von Denken und Leben lohnt“.
Wir müssen die Wirklichkeit mit einem neuen Denken tiefer durchdringen. Viel Zeit bleibt uns dafür nicht mehr.



¹ Sander, S. (2008) Der Topos der Undarstellbarkeit: ästhetische Positionen nach Adorno und Lyotard, Erlangen 
² Sander, S. (2008) Der Topos der Undarstellbarkeit: ästhetische Positionen nach Adorno und Lyotard, Erlangen                                                                                                                                          
³ Heidegger, M. (1954). Was heißt denken?. Tübingen, Germany: Max Niemeyer, p.18  
⁴ Beuthan, R. (2006). Das Undarstellbare: Film und Philosophie, Metaphysik und Moderne. Würzburg, Germany: Königshausen & Neumann, p. 101
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